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Nahaufnahme eines Autoreifens
Reifen-RatgeberLesezeit: ca. 6 Min.

Wo finde ich meine Reifengröße?

Der vollständige Guide zum Reifencode, den Kennzeichnungen auf der Flanke und den wichtigsten Stellen, an denen die zugelassenen Reifengrößen deines Fahrzeugs dokumentiert sind.

Die richtige Reifengröße ist keine Stilfrage, sondern eine Sicherheits- und Zulassungsfrage. Ein falscher Reifen kann das Fahrverhalten verändern, die ABS- und ESP-Systeme verwirren und im schlimmsten Fall die Betriebserlaubnis deines Fahrzeugs erlöschen lassen. Umso wichtiger ist es zu wissen, welche Größen für dein Auto freigegeben sind — und wo genau du diese Informationen findest.

In diesem Ratgeber zeigen wir dir, wie du den Reifencode korrekt liest, was die einzelnen Kennzeichen bedeuten und welche vier Stellen du prüfen solltest, bevor du neue Reifen bestellst. Am Ende findest du Antworten auf die häufigsten Fragen und kannst direkt im Reifenfinder die passenden Modelle aus unserem Sortiment entdecken.

Teil 1

Den Reifencode richtig lesen

Auf der Seitenwand jedes Reifens findest du eine Zeichenfolge wie 205/55 R16 91V. Was auf den ersten Blick wie ein kryptischer Code wirkt, ist eine genormte Angabe nach ETRTO-Standard — jede Ziffer und jeder Buchstabe haben eine konkrete Bedeutung.

Reifenflanke Reifenflanke mit Größenangabe

Die Zeichenfolge verstehen

Sechs Werte, die alles über deinen Reifen verraten

Die Reifenbezeichnung beschreibt vollständig die Geometrie, Bauart und Leistungsfähigkeit eines Reifens. Sie muss exakt zu deinem Fahrzeug passen — sowohl die eingetragene Größe als auch die Mindestwerte für Tragfähigkeit und Geschwindigkeit dürfen nicht unterschritten werden.

Höherwertige Indizes sind hingegen grundsätzlich erlaubt. Ein Reifen mit Lastindex 94 statt 91 ist also problemlos zulässig, wenn das Fahrzeug Luftdruck und Freiraum dafür bietet.

205 / 55 R 16 91 V
205
ReifenbreiteLaufflächenbreite in Millimetern. Beeinflusst Grip, Rollwiderstand und Geräuschpegel.
55
QuerschnittHöhe der Flanke als Prozentsatz der Breite (hier: 55 % von 205 mm ≈ 113 mm).
R
BauartR = Radialreifen. Heute Standard — andere Bauweisen (D, B) praktisch nur bei Oldtimern.
16
FelgendurchmesserInnendurchmesser in Zoll. Muss exakt zur Felge passen — keine Toleranz.
91
Tragfähigkeitsindex91 entspricht max. 615 kg pro Reifen. Darf nicht unterschritten werden.
V
GeschwindigkeitsindexV = zugelassen bis 240 km/h. Winterreifen dürfen eine Stufe niedriger sein.

Tragfähigkeitsindex (Load Index)

Der Tragfähigkeitsindex ist ein normierter Zahlencode, der die maximale Belastbarkeit pro Reifen bei vollem Betriebsdruck angibt. Er muss mindestens dem im Fahrzeugschein eingetragenen Wert entsprechen.

Index Max. Last (kg) Index Max. Last (kg)
82 475 95 690
85 515 98 750
88 560 100 800
91 615 104 900
94 670 110 1.060

Geschwindigkeitsindex (Speed Rating)

Der Geschwindigkeitsindex gibt die zulässige Dauergeschwindigkeit an. Auch hier gilt: mindestens der eingetragene Wert. Eine bekannte Ausnahme sind Winterreifen — hier darf ein niedrigerer Index gefahren werden, wenn ein entsprechender Hinweis im Sichtfeld des Fahrers angebracht wird.

Index km/h Index km/h Index km/h
Q 160 T 190 V 240
R 170 H 210 W 270
S 180 U 200 Y 300

Teil 2

Vier Orte, an denen du deine Reifengröße findest

Du musst nicht in die Werkstatt, um deine Reifengröße herauszufinden. Je nach Situation ist eine der folgenden Quellen am schnellsten zur Hand — und jede hat ihre Besonderheiten.

Option 01 Reifen mit sichtbarer Größenangabe auf der Flanke

Die schnellste Methode

Die Reifenflanke selbst

Die einfachste und zuverlässigste Quelle ist der Reifen, der bereits auf deinem Fahrzeug montiert ist. Die komplette Bezeichnung — Breite, Querschnitt, Bauart, Felgendurchmesser und die Indizes für Last und Geschwindigkeit — ist auf beiden Seitenwänden deutlich lesbar eingeprägt.

Reinige die Flanke vorher kurz mit einem feuchten Lappen, falls sie verschmutzt ist. Bei schlechtem Licht hilft die Taschenlampe des Smartphones. Achte darauf, dass du tatsächlich die vollständige Zeichenkette erfasst — inklusive eventueller Zusatzkennzeichen wie XL, M+S oder dem 3PMSF-Alpine-Symbol.

Achtung bei Gebrauchtwagen

Die aktuell montierten Reifen müssen nicht zwingend der Werksfreigabe entsprechen — Vorbesitzer können nicht freigegebene Größen montiert haben. Prüfe deshalb immer zusätzlich den Fahrzeugschein.

Option 02 Kfz-Zulassungsbescheinigung Teil I

Die amtliche Quelle

Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein)

Im Fahrzeugschein — seit 2005 offiziell „Zulassungsbescheinigung Teil I" — findest du die Reifengröße in zwei Feldern: 15.1 enthält Breite, Querschnitt, Bauart und Felgendurchmesser (z. B. 205/55R16), 15.2 zeigt Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindex (z. B. 91V).

Diese Angaben sind die offiziell bei der Zulassung eingetragene Größe — in der Regel die, die bei der Erstauslieferung montiert war. Viele Fahrzeuge dürfen aber weitere Reifengrößen fahren. Die komplette Liste findest du in der EG-Übereinstimmungsbescheinigung (CoC) oder im Teilegutachten der Felgen.

Hast du deinen Fahrzeugschein nicht zur Hand, kannst du die Daten auch bei der Zulassungsstelle erfragen oder — falls vorhanden — in der digitalen Fahrzeug­verwaltung der Herstellerapp (MyBMW, VW ID, Mercedes me) nachschlagen.

Option 03 Fahrertür von innen mit Typenschild

Die vollständigste Quelle

Türrahmen oder B-Säule

An der Innenseite der Fahrertür, auf der B-Säule oder dem Türholm bringen die meisten Hersteller einen Aufkleber mit allen werksseitig freigegebenen Reifengrößen an — meist mit dazugehöriger Luftdruckempfehlung für verschiedene Beladungszustände (Solo, Teillast, Volllast).

Dieser Aufkleber ist oft aufschlussreicher als der Fahrzeugschein, weil hier mehrere zulässige Kombinationen aufgeführt werden — etwa die Standardbereifung für Sommer und eine schmalere Winterbereifung. Auch die Luftdruck-Empfehlungen unterscheiden sich häufig zwischen diesen Größen.

Öffne einfach die Fahrertür und prüfe den Rahmen — bei vielen Modellen (VW, BMW, Audi) befindet sich der Sticker in Höhe des Türschlosses.

Option 04 Tankklappe mit Hinweisschild am Fahrzeug

Der Backup

Tankklappe oder Betriebsanleitung

Einige Hersteller — besonders aus dem VW-Konzern — platzieren den Reifen- und Luftdruck-Aufkleber auf der Innenseite der Tankklappe. Praktisch, wenn du beim Tanken schnell den korrekten Fülldruck nachsehen möchtest.

Die Betriebsanleitung enthält die ausführlichste Dokumentation: Alle freigegebenen Größen, Luftdruck-Tabellen, Hinweise zur Montage von Schneeketten, Informationen zu Runflat-Reifen und Kompatibilitätslisten. Moderne Fahrzeuge bieten die Anleitung zusätzlich als App oder PDF-Download an — oft praktischer als das gedruckte Handbuch im Handschuhfach.

Teil 3

Weitere Kennzeichnungen auf der Reifenflanke

Neben der eigentlichen Größenangabe findest du auf jedem Reifen eine Reihe weiterer Symbole und Codes — sie geben Auskunft über Bauart, Alter, Einsatzbereich und spezielle Eigenschaften.

  • XL / RF (Extra Load / Reinforced): Reifen mit verstärkter Karkasse für höhere Lasten. Erforderlich bei vielen SUV, Kombis und Elektrofahrzeugen. Benötigt in der Regel 0,2–0,3 bar mehr Luftdruck als die Standard-Variante.
  • M+S (Mud and Snow): Matsch-und-Schnee-Kennzeichnung. Seit Oktober 2024 in Deutschland nicht mehr als alleiniger Winternachweis gültig — allein M+S reicht nicht aus, es wird das 3PMSF-Symbol verlangt.
  • 3PMSF / Alpine-Symbol: Drei Berggipfel mit Schneeflocke. Das einzige EU-weit gültige Winterreifen-Zeichen und das entscheidende Merkmal für die situative Winterreifenpflicht in Deutschland.
  • DOT-Nummer: Vierstellige Ziffernfolge am Ende des DOT-Codes, z. B. 2823. Die ersten beiden Ziffern stehen für die Kalenderwoche (28), die letzten beiden für das Jahr (2023). Reifen gelten bis ca. 3 Jahre nach Produktion als fabrikneu.
  • Laufrichtung: Ein Pfeil auf der Flanke zeigt die vorgeschriebene Rollrichtung. Bei asymmetrischen Profilen gibt es zusätzlich eine „Outside"-Markierung, die nach außen zeigen muss.
  • RFT / Runflat / SSR / ZP: Selbsttragende Karkasse — erlaubt Notlauf bis 80 km bei Druckverlust. Oft bei BMW, Mini und MB vorgeschrieben. Kann nicht mit Standardreifen gemischt werden.
  • EU-Reifenlabel: Aufkleber mit Kraftstoffeffizienz (A–E), Nasshaftung (A–E) und Rollgeräusch (dB). Verpflichtend seit Mai 2021 in neuer Skala.
Wichtig zu wissen

Ob ein Reifen zu deinem Fahrzeug passt, entscheidet sich nicht nur über die Größe. Spezielle Herstellerfreigaben wie MO (Mercedes), N0–N4 (Porsche), * (BMW) oder AO (Audi) sind bei einigen Modellen vorgeschrieben. Ein Blick in die Betriebsanleitung oder die CoC-Bescheinigung klärt, ob solche Freigaben für dein Fahrzeug erforderlich sind.

Teil 4

Häufig gestellte Fragen

Die wichtigsten Antworten rund um Reifengröße, Zulassung und Kompatibilität — kurz, präzise und praxisrelevant.

Darf ich eine andere Reifengröße als die im Fahrzeugschein eingetragene fahren?

Ja — sofern die Größe in der CoC-Bescheinigung (EG-Übereinstimmung), im Teilegutachten der Felgen oder in der ABE deines Fahrzeugs freigegeben ist. Ist das nicht der Fall, ist eine Einzelabnahme durch TÜV oder DEKRA erforderlich.

Last- und Geschwindigkeitsindex dürfen nie niedriger sein als im Fahrzeugschein angegeben. Und: Auch bei freigegebenen Kombinationen müssen die Reifen zur tatsächlich montierten Felgenbreite passen.

Was bedeutet XL oder RF auf meinem Reifen — und brauche ich das?

Die Kennzeichen XL (Extra Load) und RF (Reinforced) bezeichnen Reifen mit verstärkter Karkasse und höherer Tragfähigkeit. Sie sind bei Fahrzeugen mit höherem Gewicht — SUV, Kombis, Elektroautos — häufig vorgeschrieben.

Ob du einen XL-Reifen brauchst, siehst du im Fahrzeugschein oder auf dem Typenschild. Wenn dort XL oder RF steht, musst du einen entsprechenden Reifen wählen. Standardreifen der gleichen Größe sind dann nicht zulässig.

Muss ich immer alle 4 Reifen gleichzeitig wechseln?

Idealerweise ja. Mindestens solltest du aber achsenweise wechseln — also immer beide Vorder- oder beide Hinterreifen gleichzeitig. Unterschiedliche Profiltiefen auf einer Achse beeinträchtigen das Fahrverhalten und können bei Allradfahrzeugen sogar Antriebsschäden verursachen.

Bei permanent angetriebenen 4WD-Fahrzeugen (Subaru, Audi quattro ohne Hang-on, bestimmte Toyota-Modelle) schreiben viele Hersteller den Tausch aller vier Reifen vor — lies hier unbedingt die Herstellerfreigabe.

Wie alt darf ein „neuer" Reifen sein?

Laut Rechtsprechung gelten Reifen bis zu 3 Jahre ab Produktionsdatum als Neuware, sofern sie fachgerecht gelagert wurden. Das Produktionsdatum steht auf der Reifenflanke als DOT-Nummer — die letzten vier Ziffern geben Kalenderwoche und Jahr an.

Ältere „Neureifen" sind nicht unzulässig, aber das Gummi altert: Die technischen Eigenschaften verändern sich, die Nasshaftung nimmt ab, das Material kann spröde werden. Beim Kauf solltest du daher nach dem Produktionsdatum fragen — seriöse Händler geben dieses transparent an.

Was ist der Unterschied zwischen Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen?

Sommerreifen haben eine härtere Gummimischung und ein geschlossenes Profil. Sie bieten maximale Performance bei Temperaturen über 7 °C — kürzere Bremswege, besseren Grip und geringere Rollgeräusche.

Winterreifen haben eine weichere Mischung, die auch bei Kälte geschmeidig bleibt, und ein Profil mit vielen feinen Lamellen für Grip auf Schnee und Eis. Sie tragen das 3PMSF-Symbol und sind in Deutschland bei winterlichen Verhältnissen vorgeschrieben.

Ganzjahresreifen sind ein Kompromiss aus beiden. Sie tragen ebenfalls das 3PMSF-Symbol und erfüllen damit die Winterreifenpflicht — bieten aber weder im Hochsommer noch bei starkem Schneefall die Spitzenleistung einer saisonalen Bereifung.

Muss ich beim Reifenwechsel auch die Felgen tauschen?

Nein, solange du dieselbe Reifengröße wählst. Nur wenn du die Felgengröße oder -breite ändern willst (z. B. von 16 auf 17 Zoll), musst du passende Felgen haben und die Kombination muss für dein Fahrzeug freigegeben sein.

Für die Winterbereifung werden oft schmalere Felgen und Reifen gewählt — das ist ausdrücklich erlaubt, wenn der Hersteller eine entsprechende Größe freigibt. Das ist nicht nur kostengünstiger, sondern bietet im Winter oft sogar besseren Grip.

Was passiert, wenn ich mit einer nicht zugelassenen Reifengröße fahre?

Die Betriebserlaubnis deines Fahrzeugs kann erlöschen. Das hat mehrere Konsequenzen: Der Versicherungsschutz kann eingeschränkt werden, bei einem Unfall drohen empfindliche Leistungskürzungen, und bei einer Polizeikontrolle gibt es ein Bußgeld plus Punkte in Flensburg.

Prüfe deshalb vor jedem Reifenkauf sorgfältig, ob die Größe für dein Fahrzeug freigegeben ist — der Fahrzeugschein allein reicht oft nicht, weil hier nur eine Größe steht. Die vollständige Liste findest du in der CoC-Bescheinigung, im Teilegutachten der Felgen oder in der Betriebsanleitung.

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